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"Wie die "Swing-Heinis"
den Nazis auf der Nase herumtanzten"
Jugendsubkultur im "Dritten Reich", Vortrag im Historischen Zentrum Hagen,
21.01.2010
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Im Rahmen der Ausstellung  "Und sie werden nicht mehr frei ... - Jugend im Nationalsozialismus" im Historischen Zentrum Hagen gab es eine begleitende Vortragsreihe mit Zeitzeugen und Experten, die zu spezifischen Themen der Ausstellung geladen wurden.
Zum Thema Swing-Jugend hielt unseres LG-Mitgliedes Katy am 21. Januar 2010 einen Vortrag.  

Die Swing-Jugend zählt zu einem der erstaunlichsten Phänomene der Nazi-Zeit. Dass sich Jugendliche trotz Gleichschaltung und drakonischer Maßnahmen des NS-Regimes mit amerikanischer Lebenskultur identifizierten und diese wo immer möglich auslebten, erscheint unfassbar. 

Bereits Mitte der 1930er Jahre entwickelte sich in vielen deutschen Großstädten im Zuge der wachsenden Popularität anglo-amerikanischer Swing-Musik eine neue Jugendsubkultur. Neben der Vorliebe für Swing-Musik und Swing-Tanz zeichnete sich diese Subkultur durch ein an anglo-amerikanischen Vorbildern angelehnten Kleidungs- und Sprachstil sowie durch ein ungezwungen-fröhliches, freiheitliches Lebensgefühl aus. Das nonkonforme Verhalten dieser Jugendlichen, die Individualität und Lebensfreude vor den politischen Gehorsam stellten und versuchten, sich auf vielfältige Weise den staatlichen Repressionen zu entziehen, wurden schon bald von den Nationalsozialisten als "systemgefährdend" eingestuft.

Trotz zum Teil drakonischer Bekämpfungsmaßnahmen gelang es den Nationalsozialisten nicht, die von ihnen als "Swing-Jugend" bezeichneten Jugendgruppierungen "auszurotten". Unter anderem fehlte es an attraktiven staatlichen Angeboten für diese Jugendlichen die ihr, angesichts des Krieges, womöglich kurzes Leben genießen wollten. Aufgrund geringerer Überwachungs- und Verfolgungsmöglichkeiten in den Kriegswirren kam es schließlich sogar zu einem erneuten Anwachsen dieser Jugendsubkultur.

Auch wenn die "Swing-Jugendlichen" nicht über ein dezidiert politisches Programm verfügten und keinen aktiven Widerstand im eigentlichen Sinne leisteten, so zeigte ihr renitentes 
Verhalten den Nationalsozialisten die Grenzen ihres totalitären Machtanspruches im Alltag auf - speziell im Bereich ihres Erziehungskonzeptes, welches das wichtige Bedürfnis nach jugendlicher Selbstfindung völlig vernachlässigt hatte.

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